„Wer hat bei uns Zugriff worauf?“
Diese Frage kann in den meisten Unternehmen niemand vollständig beantworten – und das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine natürliche Folge von Wachstum. Berechtigungen werden vergeben, wenn jemand sie braucht. Zurückgenommen werden sie fast nie. Wer die Abteilung wechselt, nimmt die alten Rechte mit. Nach einigen Jahren haben langjährige Mitarbeitende Zugriff auf Bereiche, mit denen sie längst nichts mehr zu tun haben.
Das Problem daran ist selten böse Absicht. Es ist die Schadensausbreitung: Wird ein einzelnes Konto übernommen – durch Phishing, ein wiederverwendetes Passwort, einen kompromittierten Dienstleisterzugang –, entscheidet allein der Rechteumfang dieses Kontos darüber, ob daraus ein Ärgernis oder ein Betriebsstillstand wird.
Womit ich hier konkret unterstütze
Identity & Access Management ist mein fachlicher Schwerpunkt aus der Arbeit mit großen Organisationen. Dort ist der Aufwand enorm – Governance-Gremien, Rezertifizierungskampagnen, spezialisierte Softwareplattformen. Der überwiegende Teil davon ergibt für ein Unternehmen mit 80 oder 200 Mitarbeitenden keinen Sinn. Der Kerngedanke aber schon, und der lässt sich mit überschaubarem Aufwand übertragen:
- Transparenz herstellen: Wer hat heute Zugriff worauf – über alle relevanten Systeme hinweg, nicht nur im Dateiserver.
- Administrative Rechte trennen: Alltagskonten und Konten mit weitreichenden Rechten sauber auseinanderhalten. Das ist einer der wirksamsten Einzelschritte überhaupt.
- Rollen statt Einzelfälle: Zugriffe an Funktionen im Unternehmen binden, damit ein Abteilungswechsel automatisch das Richtige auslöst.
- Ein- und Austritt als Prozess: Damit das Konto einer ausgeschiedenen Person nicht ein halbes Jahr später noch aktiv ist – ein Befund, der erstaunlich häufig auftritt.
- Regelmäßige Überprüfung: Ein leichtgewichtiger Rhythmus, in dem Führungskräfte die Zugriffe ihres Bereichs bestätigen. Einmal jährlich reicht in vielen Fällen aus.
Ob es dafür eine eigene Software braucht, ist eine Frage der Größe und Komplexität – und keine, die man vorab beantworten sollte. In vielen mittelständischen Umgebungen kommt man mit den Bordmitteln vorhandener Systeme und klaren Prozessen erstaunlich weit.